Doch statt am schönen Ostseestrand Warnemünde Sonne und Meer zu genießen, schwitzten die C-Mädels des Jahrgangs 1997 in der altehrwürdigen Fiete-Reder-Halle in Rostock-Marienehe, einer bunkerähnlichen, fensterlosen Halle, in der auf zwei hintereinander liegenden Spielfeldern gleichzeitig gespielt wurde. Deshalb stand die schnell verbrauchte Luft förmlich in der Halle und der Sauerstoff war knapp, was die Teams aus Frankfurt/Oder, Leipzig, Schwerin und Rostock nicht daran hinderte mit großem Einsatz und leidenschaftlichem Kampf um den Turniersieg zu spielen.
Der HCL startete sehr gut mit zwei deutlichen Erfolgen über Grün-Weiß Schwerin (17:7) und der 2. Mannschaft des Rostocker HC (19:8). Grundlage dafür war vor allem die sehr gute Deckungsarbeit, weshalb man im Turnierverlauf die wenigsten Tore kassierte, drei weniger als der spätere Sieger Frankfurter HC. Auch das Angriffspiel war beweglich, druckvoll und in Kleingruppen schon ansehnlich. Da konnten die Mädels nachweisen, was sie in den letzten Jahren gelernt haben. Neu und absolut positiv war die erfolgreich umgesetzte Abwehrformation, mit der jeder Gegner Probleme hatte. Gegen Rostock I blieb der HCL ebenfalls unter 10 Gegentoren (12:9). Nach ausgeglichenem Start (2:2) zogen die Leipzigerinnen auf 6:2 davon und gaben die Führung bis zum Ende nicht mehr aus der Hand. Ein echter Höhepunkt war das Spiel der bis dato ungeschlagenen Mannschaften Frankfurter HC und HC Leipzig. Der FHC (26:16 gegen Schwerin, 29:6 gegen Rostock I und 23:10 gegen Rostock II), identisch mit der Landesauswahl Brandenburg und auf allen Positionen doppelt gut besetzt, war favorisiert und legte gleich los wie die Feuerwehr. Also schnelles, die Abwehr schwindelig spielendes Angriffspiel, kreuzen, klare Torchance herausgespielt, Torwurf und doch kein Tor! Denn da stand Sarah Laneus zwischen den Pfosten, die mit toller Reaktion zweimal in Folge löschen konnte.

So dauerte es gefühlte 10 Minuten ehe die ersten beiden Gegentore fielen. Doch der HCL blieb hartnäckig dran und schaffte durch großen Einsatz bis zur Pause stets den Anschluss (Halbzeit 5:6). Erst im zweiten Durchgang waren die Oderstädterinnen, die in der Saison 2010/2011 in der B-Jugend(!)-Oberliga Meister wurden, nicht mehr zu halten. Begünstig durch sich häufende Fehlwürfe und dem nicht zu übersehenden Kräfteverschleiß war die Partie nach dem Seitenwechsel schnell entschieden. Am Ende unterlag der HCL 7:12. Trotzdem war Trainer Gemsa mit dem Auftritt seiner Schützlinge zufrieden: „Das sah schon sehr gut aus. Wir sind auf dem richtigen Weg. Sorgen bereitet mir unsere dünne Spielerdecke. Wenn bei 10 Spielerinnen Eine oder Zwei verletzungsbedingt ausfallen, bekommen wir Probleme.“ Die traten dann tatsächlich schon am nächsten Tag auf.
Im Play-off-Spiel gegen den Dritten Schwerin bekamen die HCL-Spielerinnen richtig Haue. Schwerin versuchte mit unerlaubter Härte das Spiel des HCL zu zerstören, was teilweise gelang. Einige übertraten allerdings mit ihren Aktionen die Grenze zur Körperverletzung. Was durch die Schiedsrichter mit 9 Zeitstrafen (gleich 18 Minuten bei 40 Minuten Spielzeit!) und einer Roten Karte gegen Schwerin (5 Zeitstrafen HCL) geahndet wurde. Dass das Spiel mit 18:12 sicher gewonnen wurde war Nebensache, denn nach dieser Schlacht verzeichneten die Leipzigerinnen mit Maja Helmchen und Franziska Richter zwei schmerzliche Verluste. Beide konnten auf Grund ihrer erlittenen Verletzungen nicht mehr im Finale antreten. Ein völlig entnervter Trainer wollte schon die weiße Fahne hissen. Doch der FHC griff helfend ein und spendierte drei Spielerinnen. Das bedeutungslos gewordene Finale endete mit einem 29:14-Erfolg für den FHC. Der HCL beendete den Dolphins Cup mit einem verdienten 2. Platz und der Erkenntnis, dass der Kader des Jahrgangs 1997 zu klein ist. Dieses Manko gleichen die Mädels derzeit mit großem Einsatz, beachtlicher Willenskraft und Leidensfähigkeit aus. Sehr erfreulich aus Leipziger Sicht und völlig verdient wurde Sarah Laneus als Beste Torhüterin ausgezeichnet. Außerdem wählten die Trainer Sarah Laneus und Johanna Schierbok in das All-Star-Team.
HCL: Sarah Laneus; Maja Helmchen 12 Tore/2 Siebenmeter, Lisa Schumann 17/6, Johanna Schierbok 28/2, Annalena Linke 3, Franziska Richter 11/5, Lisa Oschatz 5, Victoria Meier 4, Marie-Louise Schmidt 1.